Ungewisse Reise

Das Leben ist eine Reise.
Dies spüre ich jedes Mal, wenn ich zurückblicke  und merke, wie sehr ich mich in den letzten Jahren verändert habe, was ich erreicht habe und woran ich gescheiert bin.
Besonders meine persönliche Reise zu meiner Traumberufung hat sich als sehr beschwerlicher und langer Weg herausgestellt.

Ich weiß noch, als ich 16 war und die Meisten aus meiner Klasse bereits eine Idee hatten, was sie später beruflich machen wollten oder sie wussten bereits die grobe Richtung. Natürlich nicht alle, denn wie soll man so eine wichtige Entscheidung mit 16 treffen, wenn man sein Leben lang nur in der Schule hockte und nicht viel Lebenserfahrung sammeln konnte?

Aber so wird es nun mal von der Gesellschaft vorgegeben, auch wenn es überhaupt nicht zu einem selbst und dem eigenen Lebensweg passt.

Ich hatte lange Zeit auch diesen Druck im Nacken sitzen und dachte, dass ich so schnell wie möglich wissen müsste, welchen Beruf ich ausüben möchte, aber das hat überhaupt nicht geklappt. Stattdessen fühlte ich mich vollkommen verloren und wusste nicht, wohin ich gehörte oder was ich machen sollte.

Ich sah zu, wie meine Freunde und Bekannte mit 16 ihre Ausbildung anfingen, sie anschließend bestanden oder eine andere beganen und schließlich im Job einstiegen. Andere starteten mit ihrem Abitur, beendeten es mehr oder weniger erfolgreich und schrieben sich für einen Studienplatz ein. Und nun sind die meisten berufstätig oder sind mit ihrem Bachelor fertig.

In dieser Zeit habe ich mein Abitur abgebrochen, ich habe ein halbjähriges FSJ in einem Hospiz gemacht, so wie ein Praktikum in einer Physio- und Ergotherapie, ich war 14 lange Monate in Australien und war anschließend wochenlang in Asien, dann fing ich sehr spontan mit dem Fachabitur an und musste im ersten Schuljahr drei grauenvolle Praktika in sozialen Einrichtungen ableisten, da ich auf die Idee kam, es würde zu mir passen Sozialarbeiter zu werden.

Lange Zeit hatte ich nur die Idee… okay ich werde Abitur machen und dann sehe ich weiter. Ich werde nach Australien gehen und dann sehe ich weiter. Ich werde nach Hause fliegen und dann sehe ich weiter. Ich hatte null Ahnung wo genau meine Interessen lagen und es hat lange gedauert dies herauszufinden.

Aber während ich verschiedene Berufe und Interessen ausprobierte, vervollstäntigte sich allmählich das Puzzle, das ich seit Jahren versuchte zu Ende zu bringen. Langsam gewann ich einen Überblick und sah, welche beruflichen Tätigkeiten ich absolut nicht ausstehen konnte (siehe meine grausige Erfahrung in den sozialen Einrichtungen) und welche mein Herz höher schlagen ließen.

Indem ich viele verschiedene Berufe ausprobierte (Hosipz, Toiletten putzen, auf traumatisierte Kinder aufpassen und unzählige mehr…), konnte ich unglaublich viel über mich selbst herausfinden, was ohne diese Erfahrungen schwer geworden wäre. Ich habe absolut keine Ahnung, wie einige mit 16 ihre Ausbildung anfangen und schließlich im Beruf einsteigen, ohne irgendwas anderes ausprobiert zu haben und sich mit dieser Berufswahl zufrieden geben. Das ist ja quasi so, als würde man einen 6er im Lotto gewinnen – man braucht eine Portion Glück, um auf einen Schlag genau DAS zu finden, was man wirklich machen möchte.

Manche machen sich krankhaft Sorgen darum, dass sie eventuell einen ‚Lücke‘ im Lebenslauf bekommen, falls sie nicht den schnurgeraden Weg gehen, den die Gesellschaft für sie ausgelegt haben: Schule beenden – Ausbildung/Studium anfangen – einen Job beginnen.
Es hört sich nicht nur unglaublich langweilig an, sondern ist es auch. Ein Auslandsjahr ist ja total in Ordnung, aber mehr als das? Besser nicht, das passt ja nicht so gut in den Lebenslauf.

Ich versuche nun meinen eigenen Weg zu gehen, was bedeutet, dass ich mir mit der Berufswahl Zeit lasse und auf Entdeckung gehe. Nächstes Jahr werde ich endlich mit 22 Jahren mein Fachabitur in den Händen halten… und dann werde ich erneut ins Ausland gehen, nämlich nach Neuseeland.

Manche können dies wohl nicht ganz nachvollziehen, aber für mich ist diese langsame Reise bis zu meiner Traumberufung genau das Richtige, denn ich kann mich nicht mit etwas zufrieden geben für das ich keine Leidenschaft besitze.

Ich möchte das Gefühl haben, dass ich das beste Leben kreieren kann, das mir möglich ist und mich dabei fühlen, als würde ich tatsächlich aus vollstem Herzen leben und nicht nur auf das Leben warten. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man denkt, man würde auf das wahre Leben warten und dies fühlt sich für mich nicht richtig an.

 Aus diesem Grund werde ich mir mit meiner Entdeckung Zeit lassen und bis dahin verschiedene Wege gehen und versuchen, so viele meiner Interessen wie möglich zu erkunden und auszuprobieren. Man lebt ja schließlich nur einmal. Aber es kommt natürlich darauf an, was man für einen Glauben hat.

Andererseits bin ich auch ängstlich über mein Vorhaben, denn ich plane mir eine ‚Auszeit‘ von zwei Jahren zu nehmen, damit ich 1 Jahr in Neuseeland reisen und anschließend ein halbjähriges Praktikum beim Fotografen machen, so wie meine Kunstmappe für mein momentanes Wahl-Studienfach ‚Kommunikationsdesign‘ gestalten kann.

Man könnte es als ‚Auszeit‘ oder einfach nur im Moment leben bezeichnen. Zu meinen Plänen meinte eine nahestehende Person zu mir, dass ich ja ‚zu alt‘ werde, wenn ich endlich irgendwann einen ‚richtigen Job‘ haben werde und eine Bekannte, dass ich doch endlich mal das Gefühl bekommen sollte ‚mitten im Leben zu stehen‘.

Das sind zwei sehr subjektive Annahmen über das Leben, die jeder für sich selbst definieren muss. Für manche mag es richtig sein nach einem strikten Plan zu leben, aber ich gehöre definitiv nicht dazu, denn für mich steht meine persönliche Entwicklung und Entfaltung an einer hohen Stelle.

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