Social Media – Unterschätzte Gefahr?

Ein Leben ohne Soziale Medien… ist das überhaupt noch möglich? Ist so ein Leben noch lebenswert? Und was macht man mit den 3 Stunden, die man durchschnittlich für das durchscrollen von sozialen Netzwerken genutzt hätte?

Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Jan Rein in seinen Podcast-Folgen „Bewusst online sein„. Ich finde seinen Podcast, der unter anderem davon handelt, dass er ein ganzes Jahr auf Social-Media Entzug ist, sehr inspirierend. Das hat mich dazu angeregt, mir endlich mehr Gedanken über meinen eigenen Medienkonsum zu machen und was dies eigentlich alles auslösen kann.

Ich habe mir lange Zeit nicht bewusst Gedanken darüber gemacht, dass es auch schädlich sein kann, wenn man in sozialen Netzwerken oder generell im Internet zu viel Zeit verbringt. Ich hatte nicht wirklich Lust mein Konsumverhalten zu überdenken, weil der Reiz danach viel stärker war.

Ich würde sogar sagen, dass ich süchtig danach bin, denn ich kann nicht mal einen Tag ohne soziale Netzwerke auskommen! Es wurde bereits herausgefunden, dass die stimulierenden Reize süchtig machen können, denn jedes Mal, wenn eine neue Nachricht oder Pop-Up auf dem Display zu sehen ist, wird das Glückshormon Dopamin im Gehirn ausgeschüttet und davon will man automatisch mehr haben.

Kontrollierst du dein Handy oder kontrolliert dein Handy dich?

Aber schon als Jugendliche fing es damit an, dass ich übermäßig viel Zeit im Internet verbrachte, sodass ich in meiner Freizeit sehr häufig bis zu 10 Stunden vor dem PC saß!
Wenn man mit so einem schlechten Konsumverhalten aufwächst, ist es nur logisch, dass es sich bei mir später fortsetzte und zwar mit den sozialen Netzwerken.
Ich bin mir sicher (hoffentlich), dass die Meisten soziale Netzwerke nicht so exzessiv nutzen, aber dennoch sind drei Stunden, die der Durchschnitt mit sozialen Medien verbringt, sehr viel.

Wenn man sogenannten „Influencern“, Beauty-Gurus und wie sie nicht alle heißen auf diversen Plattformen folgt, sieht man ununterbrochen die schönen, perfekten und aufgestylten Highlights ihres Lebens. Ich denke mal, dass mittlerweile jeder davon gelesen hat, dass es nun mal nur „Highlights“ sind. Aber ich finde, obwohl man sich dessen bewusst sein mag, verfällt man dennoch diesem Glanz. Man vergleicht sich im Unterbewusstsein automatisch mit ihnen und zurück bleibt ein stumpfes Gefühl der Unterlegenheit und Minderwertig.

Gleichzeitig sieht man die Schönheitsideale, Werte und Lebensziele anderer Menschen und mit und mit beginnt man dies zu verinnerlichen. Damit habe ich definitiv schon Erfahrung gemacht, denn es hat mich enorm beeinflusst all die durchtrainierten Frauen auf Instagram zu sehen. Auf einmal wollte ich auch dazugehören, meldete mich in einem Fitnessstudio an und trainierte was das Zeug hielt. Nur leider trainierte ich so hart, dass ich in einem Jahr so oft krank wurde wie noch nie zuvor, da ich mich immer überanstrengte ohne dies zu bemerken. Obwohl ich den Ratschlag der Instagramer beherzigte und zwar so hart und ausdauernd zu trainieren wie ich konnte. Die müssen es doch schließlich wissen oder? (SpoilerAlert: Nein, leider nicht, da die Meisten keine ausgebildeten Fitnesstrainer oder Ernährungsberater sind)

Es klingt zwar total lustig und ein wenig übertrieben, aber leider war es nicht mehr so witzig, als ich wochenlang krank im Bett lag. Daraus konnte ich eindeutig lernen, dass man nicht einfach irgendwelchen Leuten auf Instagram oder auf anderen Plattformen direkt Glauben schenken sollte. (Hier könnt ihr außerdem nachlesen, wie ich vom Internet sehr negativ in meinem Essverhalten beeinflusst wurde.) Und im Endeffekt hat mir das Training überhaupt nichts gebracht, da mein Körper durch die Überforderung und falsches Essverhalten, keine Muskeln aufbauen konnte.

Dies konnte ich so ähnlich an einer bekannten Influencerin beobachten, die sich einer Schönheits-OP (Brazilian Butt Lift) unterzog, da sie ständig auf Social Media dieses Schönheitsideal sah und sich daraufhin komplett minderwertig fühlte. In ihrem Video redet sie davon, wie sehr es sie beeinflusst hat, all die Frauen mit ihrer dünnen Taille und einem ‚juicy booty‘ (wie sie es nennt) zu sehen. Dem fügt sie an, dass es normalerweise nicht üblich ist eine besonders dünne Taille, aber dennoch einen ‚großen Booty‘ zu besitzen, denn von Natur aus haben dies nur die wenigsten Frauen. Aus diesem Grund würden viele berühmte Instagramer mit einer Schönheits-OP nachhelfen.

Zudem ist es eine enorme Zeitverschwendung. Ich greife ständig automatisch nach meinem Handy, obwohl ich viel wichtigere Dinge machen müsste. Aber ich sag mir: „Ach, nur eine kurze Pause“, obwohl schließlich eine Stunde draus wird und sich die Arbeit noch mehr anhäuft.
Und wenn man ständig seine Zeit damit verschwendet, wie man anderen zu schaut, wie sie ihr Leben leben, verpasst man demzufolge sein eigenes Leben. Wenn man drei Stunden täglich auf Social Media unterwegs ist, nutzt man nicht die Chance im eigenen Leben etwas zu erleben.
Das ist überspitzt gesagt, aber auf mich trifft das auf alle Fälle zu.

Und was mir seit längerer Zeit auf den Keks geht, ist die andauernde Schleichwerbung, der man ausgesetzt ist. Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Instagramer Produkte vermarkten, da viele es als Beruf ausüben und sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Aber ich finde es nicht mehr so toll, wenn nur Produkte angepriesen werden, wohinter Tierversuche stecken und die allgemein schädlich für die Umwelt und Menschen sind.

Leider vermarkten die meisten erfolgreichen Accounts solche Produkte und all die jüngeren Mädchen, die ihnen folgen, rennen sehr wahrscheinlich direkt in den nächsten Laden, um sich das tolle, pfirsichduftende Shampoo, die angesagte Jeans oder das neue pinke, glitzernde Rouge zu kaufen, wofür billige Arbeitskräfte aus Bangladesch und etliche Mäuse und Ratten leiden mussten. Und dann bleibt das Produkt in der nächsten Ecke liegen, da es doch nicht so gut war, wie es auf Instagram angepriesen wurde und es landet mit dem restlichen Pröll in der Tonne. Und der ganze Plastikabfall landet wiederum in den Weltmeeren, wo es von Meereslebewesen versehentlich gegessen wird. Und was landet auf den Tellern der Beauty-Gurus? Ein Thunfischfilet voll mit Mikroplastik. Der Kreislauf des Konsums.

Da es also viel wichtigere Themen gibt für die man sich begeistern kann anstatt der Instagram-Welt zu verfallen, gibt es jetzt ein paar Tipps, damit man die Social-Media Sucht wieder loswird.

1.Feste Handy-Zeiten einplanen.
Damit man sein Handy nicht als Pause benutzt, sondern nur wenn man tatsächlich eine Pause einlegen sollte, ist es sinnvoll dies vorher zu planen. Man könnte sich vornehmen, dass man das Handy erst eine Stunde nach dem Aufstehen anmacht, damit man in Ruhe frühstücken kann ohne dabei ständig auf das Display zu starren. Und wenn man eine Pause einlegt, könnte man sich auf eine begrenzte Zeit festlegen. Also nur 20 Minuten auf Facebook, Instagram und co scrollen, anstatt sich eine komplette Stunde darin zu verlieren. Und 1-2 Stunden bevor man schlafen geht, sollte man ohnehin alle Geräte ausschalten, denn das blaue Licht, dass vom Handy und Fernsehen ausgestrahlt wird, hält uns künstlich wach. Durch das blaue Licht wird dem Gehirn signalisiert, dass es noch helllichter Tag ist und die Ausschüttung des einschläfernden Hormons Melatonin sinkt, wodurch der Körper im wachen Zustand bleibt.

2. Entfolgen
Lange Zeit bin ich etlichen Menschen auf Instagram gefolgt. Schauspieler, berühmte Influencer, Models und so weiter. Und jedes Mal wenn ich die App nach der Benutzung schloss, war ich danach schlechter drauf als vorher, denn ich fühlte mich überhaupt nicht mehr inspiriert. Ich fragte mich, warum ich nicht auch so ein Leben haben könnte und wie sie es nur hinbekommen so ein ‚perfektes‘ Leben zu führen. Klar, das Meiste sind schöne Highlights, aber man kann sicherlich nicht alles inszenieren.
Daher blieb mir nur eine Lösung: Allen entfolgen, die mich runterzogen! Stattdessen versuchte ich realistische, kreative Accounts zu finden, die mich aufbauten und inspirierten. Ich hatte schließlich nicht mehr das Gefühl jedes Mal in eine perfekte, von Schönheitsidealen besetzte Scheinwelt zu gelangen, sobald ich zum Handy griff.

3. Die gewonnene Zeit sinnvoll nutzen
Wenn man nun mehr Zeit hat, da man die Handynutzung eingeschränkt hat, sollte man anfangen sich neue Hobbys zu suchen. Denn wenn sonst nichts an seinen Lebensstil ändert, kann man die hinterlassene Leere nur füllen, indem man wieder zum Handy greift.
Früher habe ich richtig viel und gerne gelesen, aber als meine Zeit am Smartphone überhand nahm, ließ das Lesen allmählich nach und ich las über ein Jahr fast gar nichts mehr. Seit ein paar Monaten habe ich mein altes Hobby wieder aufgenommen und es fühlt sich richtig gut an, einfach nur mal in ein Buch zu versinken und in eine andere Welt einzutauchen.

4. Social Media Apps blockieren
Ich habe mir vor Kurzem die App ‚Selfcontrol‘ runtergeladen, die mich daran hindert meine geliebten Apps zu nutzen, damit ich disziplinierter an meiner Arbeit bleiben kann. Dabei kann ich angeben, wie lange die App gesperrt sein soll und ich kann festlegen, wie lange ich bestimmte Apps insgesamt am Tag benutzen möchte. Man kann zwar jeder Zeit die Sperre aufheben, aber jedes Mal wenn ich auf eine App tippe, kommt der Hinweis, dass es bis zu einer gewissen Uhrzeit blockiert ist. Das erinnert mich jedes Mal daran, dass ich mich zusammen reißen sollte, da es noch 1000 wichtigere Dinge gibt, mit denen man sich beschäftigen kann.

Ein Leben ohne Social Media kann man sich in der heutigen Welt nicht mehr vorstellen. Aber es liegt an uns, diese Netzwerke sinnvoll zu nutzen, so dass es nützlich, statt schädlich wird.

(Quellenangaben: 3 Stunden Social Media am TagAusschüttung des GlückshormonsSchönheits-OP aufgrund von Instagram; blaues Licht hat Einfluss auf unseren Schlaf)

 

Du magst vielleicht auch

5 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.